RGA: Deutsche Meisterschaft kann kommen


Es ist voll im Sportbad am Park. Kinder wuseln umher, aufgeregte Eltern sitzen auf der Tribüne. Ein langer Pfiff ertönt, ein Kampfrichter ruft: „Auf die Plätze!“ Es folgt ein Signalton, dann springen die Sportler ins Wasser und geben ihr Bestes. Was nach einem gewöhnlichen Start eines Schwimmwettkampfes klingt, ist etwas Besonderes und fester Bestandteil des Wettkampfkalenders der Nachwuchsschwimmer.
Der BRSNW-Cup fand am Wochenende zum zwölften Mal statt. Das hieß für die Athleten mit und ohne Behinderung, gemeinsam an den Start zu gehen. Möglich macht diese Konstellation ein Punktesystem, nach dem die Athleten statt eines Zeitergebnisses Punkte erhalten. Sie werden nach normierten Skalen und unter Berücksichtigung der Startklassen der Para-Schwimmer vergeben und entscheiden so über den Sieg.

„Dieses Jahr fand hier die nationale Klassifizierung statt, bei der die Athleten mit Behinderung in ihre Startklassen eingeteilt wurden. Daher sind sogar Sportler aus Berlin, Hamburg und anderen Teilen Deutschlands bei uns zu Gast“, berichtete Dirk Krzyzaniak, einer der Verantwortlichen der SG Remscheid.
Die Einschränkungen müssen eingeschätzt werden können
Die Klassifizierung der Sportler ist in zwei Teile unterteilt. Zunächst gibt es einen medizinischen Test, bei dem eine Diagnose des Arztes vorgelegt werden muss und anschließend eine erneute Untersuchung folgt. Im Anschluss gibt es den „Wassertest“, der die technische Komponente der Behinderung untersucht. Dabei gilt es, alle Schwimmstile sowie Startsprünge und eine lange Distanz zu präsentieren, um so die Einschränkung im Wasser einschätzen zu können. „Für die Testteile gibt es Punkte, nach denen die Sportler in die Klassen S1 bis S10 eingeteilt werden“, erklärte die Ärztin Andrea Brune.
Der Wettkampf ist mittlerweile fester Bestandteil des Kalenders vieler Schwimmteams, nicht nur aus der Region. Seit dem ersten BRSNW-Cup hat sich viel verändert. „Vor allem die Teilnehmerzahl ist deutlich gestiegen. Am Anfang waren es knapp 350 Starts, in diesem Jahr haben wir die Zahl mit 1100 Starts verdreifacht“, freuten sich Dirk Jünger, Geschäftsführer der SG Remscheid, und Stephan Schürmann, der seit der ersten Stunde den Wettkampf mit organisiert. Rund 30 ehrenamtliche Helfer der SG Remscheid waren im Einsatz. Krzyzaniak sagte erfreut: „Die Startblöcke sind ganz neu, und die neue Zeitmessanlage funktioniert pünktlich zum Wettkampf.“
Krzyzaniak weiter: „Nun kann auch die Starthilfe für die Rückenstarts an den Blöcken befestigt werden. Das ist besonders im Hinblick auf die Deutschen Meisterschaften im November wichtig.“ Die Starts hochkarätiger Sportler gaben den Organisatoren recht. So waren neben Lokalmatador Hannes Schürmann weitere europäische Spitzensportler am Start. Es kam wieder zu einer Rekordflut. Die beiden Remscheider Nachwuchskräfte Elias de Souza und Anna Krzyzaniak konnten krankheitsbedingt leider nicht mitmischen.
Blinde werden angetippt, wenn die Wende ansteht
Professionalität ist bei Wettkämpfen dieser Art Voraussetzung. Wie sonst sollte ein blinder Schwimmer an den Start gehen? Ein junger Mann startete aus dem Wasser und wurde am Ende der 25-Meter-Bahn mit einem sogenannten „Tappa“ von einem Verantwortlichen seines Teams angetippt, um die anstehende Wende zu signalisieren. „Die Sehbehinderten bekommen eine geschwärzte Brille, um Ungleichheiten auszugleichen“, merkte Andrea Brune an.

Wenn ein sehbehinderter Schwimmer neben einem Athleten mit nur einem Bein und einem gesunden Sportler schwimmt, wird schnell deutlich, wie Integration gelingen kann. „Wir hatten noch nie Probleme mit Diskriminierung. Im Gegenteil, die Athleten des Deutschen Schwimmverbandes sehen es eher als Ansporn, wenn ein Schwimmer des Behinderten- und Rehabilitationssportverbandes Nordrhein-Westfalen trotz seiner Einschränkung schneller schwimmt, als sie selbst“, sagte Schürmann.

Remscheider General-Anzeiger

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